Reanimation

Figuren- & Puppentheater für Erwachsene (Premiere: 11.Mai 2011)

Über die Inszenierung

Angelehnt an Dogma95 der dänischen Filmemacher um Lars von Trier hat sich diese Figurentheaterproduktion 10 einschränkende Regeln gesetzt, um durch diese Einengung zu einer neuen Ästhetik vorzudringen. Die wichtigste Regel ist, daß nur Figuren verwendet werden dürfen, die aus abgespielten Produktionen stammen oder Figuren, die es nie bis zur Premiere geschafft haben oder gar nie fertig gestellt wurden. Das heißt, daß Figuren nicht für einen (z.B. literarischen) Stoff gestaltet werden, sondern es wird untersucht, was die vorhandenen Figuren von sich aus zu erzählen haben. So ensteht eine Szenencollage, die die ganze Bandbreite vom Komischen bis zum Tragischen auslotet. D.h. im besten Falle werden die Figuren das Publikum zum Lachen und zum Weinen bringen.

Das Ensemble

Michael Speer, Stuttgart, (Bühnenkünstler, Sprecher beim SWR) und Marius Kob, Bern, (Figurenspieler, Performancekünstler) haben erstmalig 2009 für die Produktion “Doktor Leo Löwenherz” zusammengearbeitet. Hierbei noch in den Rollen als Regisseur und Spieler enstand das Bedürfnis als Figurenspieler gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Wegen der unterschiedlichsten Figurenarten (zu Probenbeginn standen 53 Figuren zur Verfügung) enstand der Wunsch mit verschiedenen Regisseuren an den Szenen zu arbeiten. Mit Stefanie Oberhoff, Johanna Niedermüller, Margrit Wimmer, Matthias Jungermann, Antje Töpfer konnten Regisseure gewonnen werden, die in der freien Figurentheaterszene sowohl als Regisseure als auch als Spieler bekannt sind.

Gefördert von der Landeshauptstadt Stuttgart

und den Stiftungen der Landesbank Baden-Württemberg

 

Kritik

Stuttgarter Zeitung 13.5.2011

Auch Kasperle muss sterben

Figurentheater “Reanimation”von Michael Speer feiert Premiere.

Von Katharina Sorg

Der lethargische König aus dem Kasperletheater will nicht mehr auf die Bühne, die Hundehandpuppe Tommy ist Mafiaboss und Handlanger in einem, und die unheimliche Maske Rolf schafft es nur zu kurzen Auftritten. Im Figurentheater von Michael Speer tummelnsich allerlei kuriose Gestalten. Zu Beginn des Stückes “Reanimation” hängen sienoch leblos an Haken. Keine der Figuren wurde für das Stück entworfen, sie alle wurden für andere Produktionen erdacht und erfahren nun eine Wiederbelebung. Unterschiedlich hohe, weiße Podeste dienen im Atelierhaus Schellenkönig als Bühne für Puppen und Spieler. Die unterschiedlichen Geschichten haben sich Speer und ein Regieteam zu Masken und Marionetten ausgedacht. In der Mafiageschichte muss ein Bote ein Paket abholen und begegnet allerlei komischen Gestalten, in der Geschichte über Lore, die Puppenmacherin,entspinnt sich eine Familiengeschichte. Die kurzen Szenen sind unterhaltend, und es ist sehenswert, wie Speer und sein Mitspieler Marius Kob den Figuren mit ihren Stimmen Charakter verleihen. So wird aus einer Marionette ein ängstlicher Bote, aus einer Kasperlefigur, die nur noch aus einem Kopf besteht, ein überdrehter Zeitgenosse, und eine überdimensionierte Puppe verwandelt sich zum einfältigen Riesen. Immer wieder steigen Speer und Kob aus dem Stück aus, grinsen sich schelmisch zu oder treten in den Hintergrund und werden von Spielern zu Sprechern. Sie diskutieren, welche Puppe als Nächstes einen Auftritt verdient hätte und lassen das Publikum an ihrer Auswahl teilhaben. Der Auftritt endet für die Figuren stets mit dem Tod, nur der Spieler haucht ihnen Leben ein. Diese Tatsache wird mit morbidem Witz überzeichnet. Alle Figuren landen in einer Art Mixer unter dem Podest, nur das ertönende Geräusch lässt auf ihr Schicksal schließen. Ihr Abgang ist wie das Stück: kurzweilig und ausgefallen..